Drabbles

Drabbles? Was soll denn das bitteschön sein?

Das ist ganz einfach erklärt: Drabbles sind kurze Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

 

Und warum macht man das?

Nun ja, für mich ist es hauptsächlich eine Schreibübung. Die Herausforderung dabei ist, eine Szene zu beschreiben, ein Gefühl zu vermitteln, vielleicht sogar eine Botschaft unterzubringen – in einem ziemlich kurzen Text.

Ich habe mich lange nicht drüber getraut, aber jetzt macht es mir total Spaß.

 

Okay, und was hat es mit "Linneas Blommor" auf sich?

Für all jene, die Winterküsse in Schweden nicht oder nicht aufmerksam genug gelesen haben: Linneas Blommor ist der Name der Gärtnerei der Familie Nilsson. Der Name wird erst später erwähnt, aber sie spielt gleich im Prolog eine Rolle. Den kannst du in der Leseprobe nachlesen.

Linneas Blommor

Eben war Jule müde von der Feier am Vorabend ins Büro geschlürft und hatte Élins Glückwünsche kaum wahrgenommen. Sekunden später stand sie hellwach im Blumenladen. "Von wem ist das Paket auf meinem Tisch?"

"Von Ruben und Thorben."

Jules Augen weiteten sich vor Angst. Élin folgte ihr neugierig zurück an den Schreibtisch, und sie beäugten misstrauisch das pinkfarbene Paket.

"Ist das ein Geburtstagsgeschenk oder eine Falle?"

Élin hob ratlos die Schultern. "Da weißt du erst, wenn du es öffnest."

Jule atmete tief durch und hob todesmutig den Deckel an. Beim Anblick des Inhalts verdrehte sie die Augen.  "Ha, ha, sehr witzig."

Frau Ekberg sah Élin vorwurfsvoll an – als hätte die das letzte Osterei absichtlich an die Kundin vor ihr verschenkt. Èlin wollte sich entschuldigen, doch da betrat Ruben den Blumenladen durch die Hintertür. Er trug Arbeitskleidung und hatte ein rotes Ei in der Hand.

"Wie nett, mir extra eines zu bringen", sagte Frau Ekberg, nahm es unaufgefordert an sich und verließ das Geschäft.

Zuerst blickte Ruben ihr verdattert nach, doch dann grinste er. "Viel Freude damit."

"Was ist damit?", fragte Élin alarmiert.

"Das habe ich gerade im Schuppen gefunden. Hatte ich im letzten Jahr wohl zu gut vor deinen Kindern versteckt."

Linneas Blommor

Geschlagene 20 Minuten hatte Frau Ekberg dem armen Kerl einen Vortrag über die Bedeutung von Farben gehalten, ehe er den Blumenladen mit einer einzelnen dunkelroten Rose verlassen hatte.

"Die Jugend von heute hat keine Ahnung von Romantik", bemerkte sie abfällig und bezahlte die drei Blumensträuße für die Kanzlei ihres Mannes wie üblich in bar.

Eine halbe Minute, nachdem sich die Eingangstür hinter ihr geschlossen hatte, öffnete sie sich wieder und der junge Mann mit der roten Rose fragte schüchtern: "Dürfte ich die umtauschen?"

Élin winkte ihn schmunzelnd heran.

"Weißt du, gelb ist ihre Lieblingsfarbe", verriet er mit einem verliebten Lächeln.

Linneas Blommor

Linnea Nilsson, die Besitzerin des kleinen Blumenladens im Stockholmer Stadtteil Bromma, hielt an diesem tiefwinterlichen Märztag selbst die Stellung im Geschäft. Kaum ein Mensch wagte sich bei diesem eisigen Wind, der den Schnee aufwirbelte und unbarmherzig in jedes Gesicht wehte, auf die Straße.

Das überraschende Klingeln der Türglocke erschreckte die Blumenhändlerin und der Sturm trug zwei vermummte Gestalten herein.

"Und was wollen wir hier?", fragte die Frau, nachdem sie die Tür mit einiger Mühe hinter sich geschlossen hatte.

Das Mädchen an ihrer Seite breitete die Arme aus, strahlte über das ganze Gesicht und verkündete fröhlich: "Hier sind wir im Frühling!"

Linneas Blommor

"Wie schön!" Jule trat neben Élin und betrachtete zusammen mit ihr das neu gestaltete Schaufenster von Linneas Blommor. "Das sieht aus, als hättest du den Frühling eingefangen und ins Fenster gestellt. Ich kann ihn riechen, obwohl ich friere."

Während sie über ihre Arme rubbelte, um sie zu aufzuwärmen, bog Frau Ekberg um die Ecke, stellte sich neben sie und gab ungefragt ihre Meinung kund. Die Schwestern standen stumm daneben. Unbeirrt ließ die ältere Dame sie wissen, was an der Gestaltung nicht stimmte.

"Ein Glück, dass ich gerade vorbeigekommen bin", schloss sie. "Irgendwer muss euch ja sagen, wie es richtig geht."

Linneas Blommor

Liebevoll drapierte Élin den letzten Strauß Tulpen in einer der Vasen auf dem großen Tisch in der Mitte des Ladens. Weil sie sich an diesem Morgen unbeobachtet fühlte, erlaubte sie es sich, ihre Nase in die duftende Pracht einzutauchen, die trotz der Kälte, die Stockholm fest im Griff hatte, Frühling versprühte. Mit einem Seufzen richtete sie sich wieder auf, straffte die Schultern und machte sich für den Tag bereit.

"Hej hej, välkommen!" Breit lächelnd öffnete sie die Tür und begrüßte die Stammkundin, die vor dem Geschäft wartete.

Frau Ekberg klopfte auf ihre Armbanduhr und bemerkte bissig: "Eine Minute zu spät."