Eigentlich wäre es ja viel gesünder, als Autor:in gar keine Rezensionen zu lesen. Ich tue es manchmal trotzdem, insbesondere, wenn ein Buch ganz neu auf dem Markt ist. Immerhin will ich ja wissen, was der Grund ist, warum es vielleicht nicht so läuft, wie es mir erhofft hatte.

Außerdem ist es leider so, dass man Rezensionen manchmal nicht ignorieren kann, selbst wenn man will. Man stolpert darüber, wenn man irgendwas auf der Buchseite nachschauen will, für das man weiter hinunter scrollen muss. Und dann passiert es: Man sieht, dass der schlechte Durchschnitt bei den Sternen nicht nur von der obligatorischen Ein- oder Zwei-Stern Bewertung kommt, die auf mysteriöse Weise jedes Buch wenige Tage nach der Neuerscheinung bekommt. (Ich bin ja der Ansicht, wenn ich die nicht bekomme, hat niemand mitbekommen, dass ich ein neues Buch herausgebracht habe.) Und man fängt unweigerlich an, in die Begründung hinein zu lesen, obwohl man es gar nicht will.

 

Ich verrate dir etwas: Nach meinem allerersten Buch, bei dem ich wirklich viele Anfängerfehler gemacht habe, von denen auch in den Rezensionen zu lesen war, hat nie wieder eine Bewertung bewirkt, dass ich irgendwas am nächsten Buch anders gemacht habe, als ich es geplant hatte. Wenn Leute schreiben, eine Geschichte hätte mehr Potenzial gehabt oder wenn sie XXX gewusst hätten, hätten sie es gar nicht gelesen oder das Tempo sei zu langsam – was auch immer: Es ändert nichts daran, wie ich meine Geschichten erzähle.

Aber eines bewirkt es: Ich verliere den Spaß daran, zumindest für eine Weile. Ich laufe immer eine Zeit lang mit einem dumpfen Bauchweh herum, das ich gerne einfach abschütteln würde. Negative Kommentare zu meinen Büchern setzen sich immer für ein paar Tage fest und bremsen mich aus, bevor ich sie vergessen kann.

Irgendwann vergesse ich sie oder blende sie zumindest aus. Doch das dauert.

 

Dieses Ausblenden oder – noch viel besser – ist extrem wichtig, denn das Schlimmste wäre, sich dauerhaft von negativen Rückmeldungen aufhalten zu lassen. Sie gehören zum Autor:innenleben dazu, und sei es nur, um dir zu zeigen, dass deine Bücher eine Reichweite erreicht haben, durch die auch Leser:innen darauf stoßen, die nicht zu deiner Zielgruppe gehören. Es gibt sogar Coaches, die behaupten, man müsse als Autor:in seine Leser:innen hin und wieder mal enttäuschen, nur so würde man die nötige Dynamik für die Bücher entwickeln.

Das sage ich mir jetzt ganz oft vor, damit das Bauchweh hoffentlich bald verschwindet und ich wieder Lust habe, mich an ein Manuskript zu setzen.

 

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